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Samstag, 01. Oktober 2016
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: Gesellschaft :: Ein Tritt in den Magen :

Oliver Reiner, Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums "Die Villa" im Gespräch über die zunehmenden Schwierigkeiten, Kinder- und Jugendarbeit in Leipzig zu finanzieren.

Text & Bild: Max Feller

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Immer wieder wird von Kürzungen bei Jugendeinrichtungen gesprochen. Was ist da los?

Man könnte sagen: Alle Jahre wieder gibt es Probleme bei der Finanzierung der Jugendprojekte in Leipzig. Die Ursache ist ein Missverständnis in der Stadtverwaltung, die Freizeit-, Bildungs- und  Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche als freiwillige Leistungen versteht, bei denen man sparen könnte. Das sehe ich anders: Unsere Kinder sind die Zukunft Leipzigs. Die müssen wir mit inhaltlich guten Angeboten unterstützen, bei ihnen Interessen wecken, Begabungen fördern, bei Problemen begleiten und ihren zeigen, dass es auf das Engagement von jedem ankommt. Das muss finanziert werden. Geschätzt wird, dass dafür die Jugendhilfeträger ca. 12 Millionen Euro im Jahr benötigen würden das entspricht etwas mehr als 12 Euro pro Monat für jeden Leipziger unter 20 Jahren oder weniger als ein Prozent des gesamten Stadthaushaltes.

Das klingt nicht viel.

Trotzdem gibt es das Geld nicht. Und der Grund ist nicht der aktuelle Spardruck. Seit über zehn Jahren gibt es eine deutliche Differenz zwischen dem, was der Stadtrat als gewolltes Leistungsniveau beschließt, und dem, was an Geld dann tatsächlich bei den Sozialarbeitern ankommt. Kostensteigerungen bei Betriebskosten, aber auch Tariferhöhungen mussten oft durch Stundenreduzierungen bei den Mitarbeitern ausgeglichen werden. So mussten die Öffnungszeiten reduziert, Ferienkurse abgesagt und Arbeitsgemeinschaften gestrichen werden.

Die Kinder bleiben sich selbst überlassen und kommen auf dumme Gedanken?


Manchmal schon. Wir haben im letzten Jahr die Probleme mit gelangweilten Jugendlichen im Allee-Center erlebt. Auch aus andern Ecken gab es Beschwerden, wie die Höfe am Brühl, die Wiese an der Thomaskirche.

Wie kommen wir da raus?

Sicher nicht mit weiteren Kürzungen, wie sie bei der  Finanzplanung für das nächste Jahr angedroht worden sind. Fast jeder zehnte Euro sollte gestrichen werden. Bei deutlich wachsenden Kinderzahlen! Glücklicherweise ist es soweit nicht gekommen. Eine breite Protestwelle hat die Stadtverwaltung zum Umdenken bewegt. Trotzdem reicht das Geld wieder nicht. Jetzt Mitte November hat das Jugendamt deshalb vorgeschlagen, zehn Einrichtungennächstes Jahr zu schließen. Darunter vier Jugendtreffs, die beiden einzigen Medienzentren sowie die vier dezentralen Jugendberatungsstellen. Letztere sollen wohl durch eine zentrale Einrichtung ersetzt werden.


"Die Pläne machen meinen Mitarbeitern und mir Angst."


Ein heftiger Einschnitt.

der zu erwarten war. Trotzdem haben alle Betroffenen davon erst aus der Zeitung erfahren. Das Jugendamt hat vorher nicht mit den Trägern gesprochen. Da engagieren sich Mitarbeiter Jahre lang, machen viele Überstunden, um die Nachfrage zu decken, suchen nach zusätzlichen Geldtöpfen und als Dank erfahren sie aus der Zeitung, dass ihre Arbeit als überflüssig betrachtet wird. Das ist ein Tritt in den Magen. Mir erscheint die Auswahl sehr willkürlich. Vielleicht ist das auch der Grund, warum darüber bisher weder in den Fachgremien noch mit den Anbietern besprochen wurde.

Sie soll es besonders heftig treffen?

Stimmt, die beiden großen pädagogischen Projekte bei uns im Soziokulturellen Zentrum Die Villa sollen nächstes Jahr nicht mehr finanziert werden: unser beliebter Jugendtreff im Erdgeschoss sowie die Medienwerkstatt Leipzig in der 2. Etage. Von den jetzt 3,9 pädagogischen Stellen hier im Haus würden dann noch 0,9 übrig bleiben. Ein Viertel der Hausfläche wäre dann plötzlich nicht finanziert. Die Pläne  machen meinen Mitarbeiter und mir Angst. Wir haben keine Idee, wie wir so unser Haus erhalten können. Pro Jahr haben wir übrigens ähnlich viele Besucher wie das Schauspielhaus zwei Straßen weiter.

Dabei ist die Villa doch schon fast eine Leipziger Institution.

Das höre ich auch oft von unseren Besuchern. Fast jeder in der Stadt kennt uns. Die meisten waren wenigstens ein Mal bei uns im Haus. Was mich besonders ärgert, solche weitreichenden Entscheidungen sollen im Schnellverfahren
anderthalb Monate vor dem Jahreswechsel durchgeboxt werden. Nachvollziehbare fachliche Begründungen gibt es nicht. Bisher hat uns das Jugendamt immer ein sehr hohes fachliches Niveau bescheinigt. Es gab keine Kritik.

Was werden Sie also tun?

Wir bemühen uns, mit den Stadträten ins Gespräch zu kommen. Nur sie können den Vorschlag verändern. Von den Villa-Besuchern habe ich in den vergangenen Tagen viel Zuspruch erhalten. Sie wollen sich für unser einmaliges Konzept einsetzen. Das gibt Kraft. Im April 2014 wollen wir 24 Jahre Villa feiern. Dafür setzen sich alle ein!

www.villa-leipzig.de
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